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Der Kampf gegen mich selbst!

von Lars Messerschmidt

Schon im letzten Jahr sprach Vereinskollege Tobias das erste Mal das Thema „Rad am Ring“ an. Wollen wir da starten? Wer kommt mit? Auf meiner "Muss man mal gemacht haben Liste" stand schon länger ein 24h Rennen als Einzelstarter. Bei Rad am Ring kann man zwischen Rennrad und MTB wählen. Da ich das Mountainbike für das komfortablere Gefährt hielt und es mir irgendwie auch abwechslungsreicher erschien, meldete ich für das 24h MTB Solo Rennen.

Alle anderen Vereinskollegen entschieden sich dafür, mit dem Renner durch die Grüne Hölle zu jagen.Die Strategie für das Rennen stand eigentlich von Anfang an fest. 24 Stunden gleichmäßig durchfahren und möglichst weit vorne in der Wertung landen. Doch dann kam alles anders. Am Donnerstag, dem Wochenende vor der Landesmeisterschaft in Neuhaus und eine Woche vor der DM ging es mit starken Schmerzen in der Brust mit dem Krankenwagen für 5 Tage in die Uniklinik nach Göttingen. Ab diesem Zeitpunkt war die Saison für mich im Kopf gelaufen. Sie war eh schon anders, da unsere kleine Tochter Mira letztes Jahr zur Welt gekommen ist. Da hat man einfach andere Prioritäten als Radfahren. Mit der Landesmeisterschaft im Juli, wollte ich aber wieder ins Renngeschäft einsteigen. Die Form stimmte und die Motivation war auch voll da! Das änderte sich dann schlagartig, da ich nach meinem Krankenhausaufenthalt nicht richtig trainieren konnte.
Meine Frau hatte für das Rad am Ring Wochenende schon eine Ferienwohnung am Nürburgring gebucht. Das Startgeld war eh bezahlt und daher fuhren wir dann doch zu dritt in die Eifel. Wir freuten uns auf ein lustiges Wochenende mit den Vereinskollegen, die alle Camping an der Rennstrecke machten. Aber beim Rennen hatte ich nur noch wenig Ambitionen,.
So stand ich dann am Samstag um 12:30 Uhr mit vielen bekannten Gesichtern auf der Grand Prix Stecke des Nürburgrings an der Startlinie. Der Startschuss viel pünktlich und das Feld schoss los. Die Fahrer aus den 4er und 8er Teams machten gleich ordentlich Tempo. Ich fühlte mich gut und mich bremste nur der Blick auf meinen Tacho. Ich war etwas irritiert, dass auch der ein oder andere Einzelstarter das hohe Tempo mitging. Auf der ersten Runde lernte ich die Stecke kennen. Sie überraschte mich mit zwei kurzen steilen Rampen und zwei schönen Bergabtrails. Ich fragte mich, ob ich auch am Schluss noch mit dem 34iger Blatt der XX1 die erste Rampe hoch kommen würde. Bei der Zweiten war ich mir sicher, dass ich schieben muss. Das 32iger Blatt lag allerdings zuhause in der Garage und daher machte es überhaupt keinen Sinn darüber nachzudenken. So fuhr ich dann Runde für Runde. Die Nummer der Einzelstarter hatten die Farbe hellblau. Mir viel auf, dass ich immer mehr Starter mit hellblauer Nummer überholte. Nach ca. 4 bis 5 Stunden, bei einer Durchfahrt durchs Fahrerlager, rief Tobias mir zu: Du führst … du bist Erster. Das überraschte mich. Ich fuhr ein für mich lockeres Tempo und war auch davon überzeugt, dass ich dies durchfahren konnte.
Als es dann in die Nacht ging, war von der anfänglichen Motivation allerdings nicht mehr viel übrig. Es ist ein komplett anderes Rennen, als die Rennen, die ich sonst so fahre. Man fährt mehr gegen sich selbst als gegen einen Gegner. Das machte mir nur wenig Spaß. Die Kilometer auf dem Rundkurs abzuspulen war auch schlichtweg langweilig. Kleine Wehwehchen kamen dann natürlich auch irgendwann dazu. Mit dem Essen hatte ich keine Probleme, nur das ich mit fortlaufender Rennstunde keine süße Sporternährung mehr sehen konnte. Bei den Zwischenstopps an unserem DDMC-Fahrerlager gab es dann immer Brötchen, Käsestangen, Erdnüsse oder auch alkoholfreies Bier. Bei einem Stopp um ca. 4 Uhr Nachts war meine Motivation dann auf dem Tiefpunkt und ich beschloss mangels Spaß nicht mehr weiter zufahren. Allerdings redete Tobias so lange auf mich ein, dass ich dann doch wieder los gefahren bin. Im Kopf stellte ich den Modus um. Ich sagte mir nicht mehr, dass ich jetzt noch 8 Stunden fahren müsste, sondern beschloss, immer 5 Runden (ca. 40KM) zu fahren und dann eine Pause zu machen. So ging die Zeit deutlich besser rum. Ich war froh, als die Sonne raus kam und es wieder wärmer wurde. Durch meine vielen und langen Pausen in der Nacht, war ich allerdings auf Platz zwei zurückgefallen. So gegen neun Uhr sah ich dann meinen Konkurrenten auf einer Geraden vor mir und überholte ihn wieder. In dem Moment war er um einiges langsamer als ich. Dies bewegte mich dazu, die Strategie wieder umzustellen. Ich nahm also etwas Tempo raus und beschloss keine Pausen mehr zu machen. Es war auch gut für den Kopf, dass so langsam ein Ende in Sicht war. Um 11:45 Uhr war Zielschluss. Um ca. 11:40 Uhr ging es das fünfzigste mal von der MTB Stecke auf die Rennstrecke des Nürburgrings, wo mich Sabrina, Tobias und Micah mit dem Rennrad die letzten 2 Minuten vor Zielschluss über die Zielgerade begleiteten. Sabrina blieb zurück, um zu schauen ob mein Konkurrent es auch noch einmal schafft. Micah und Tobias begleiteten mich derweil durch das Fahrerlager. Bevor es dann wieder auf die MTB Stecke ging, rief mir Sabrina zu, dass mein Konkurrent es nicht mehr auf eine weitere Runde geschafft hatte. So konnte ich die letzte Runde genießen und ganz gemütlich als Sieger des 24h Solo MTB Rennen über die Ziellinie fahren. Das hätte ich ohne meine Vereinskollegen nie im Leben geschafft! Danke! 455 Km und über 10.000 Hm standen dann auf dem Tacho. Es ist unglaublich was der Körper leisten kann. Wie gut, dass ich vor dem Rennen nie darüber nachgedacht habe, wie viel Kilometer man bei einem 24H Rennen so fährt. Dann hätte ich diese Erfahrung sicher nie gemacht. Meinen größten Respekt auch an alle, die öfter auf Ultradistanzen unterwegs sind. Es ist schon etwas sehr Spezielles ein Rennen gegen seinen inneren Schweinehund zu fahren.

Ergebnis in der Altersklasse: 1

Ergebnis in der Gesamtwertung: 1

Gallerie zum Rennbericht:

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