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Mental am Lebkuchen verhungert

von Lars Messerschmidt

Seit Jahren hatte ich die A Strecke der Salzkammergut Trophy auf meiner „Muss man mal gemacht haben“ Liste. Nun war es so weit. Ich durfte die 210 Kilometer und 7119 Höhenmeter in Angriff nehmen.

Mit von der Partie war natürlich Vereinskollege Jens, der bei so einem Spaß immer mit von der Partie ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit zwei Kaffee um 3:30 Uhr ging es im Dunkeln vom Ferienhaus nach Bad Goisern zum Start. Dort sollten wir um 5 Uhr starten. Wir lagen gut in der Zeit und konnten uns um 4:30 Uhr relativ weit vorne im Startblock einreihen. Durch das Mikro kam die Ansage vom Veranstalter, dass mit uns noch ca. 800 weitere Starter auf die Langdistanz gehen. Im Startblock war es recht ruhig. Mir war nicht klar ob es die Uhrzeit, die vielen Nationen und unterschiedlichen Sprachen oder der Respekt vor dem was vor uns lag war. Erstaunlicherweise fühlte ich mich recht entspannt. Nicht eine Sekunde zweifelte ich daran, es zu schaffen. Aber, man(n) ist ja Rennfahrer und da gibt es ein Ziel. Irgendwie hatte sich eine Wunschzielzeit von unter 11 Stunden in meinen Kopf eingebrannt. Ob ich diese Zeit schaffen würde? Aber pünktlich um 5 Uhr ging es los und ich fand es heraus.
Am ersten Berg passierte mir etwas, was ich nicht unbedingt kannte. Ich wurde ganz ordentlich nach hinten durchgereicht. Davon ließ ich mich aber nicht irritieren und fuhr mein angestrebtes Tempo weiter. Scheinbar dachten einige Kollegen, dass die Salzkammergut Trophy nach 10 Km am ersten Berg gewonnen wird. Die „Sprinter Fraktion“ merkten dann aber auch recht schnell, dass der erste Berg fast 1000 Hm am Stück hatte. Folglich kassierte ich einige wieder ein. Recht schnell viel mir auf, dass es etwas ganz Besonderes ist um 5 Uhr morgens zu starten und den Sonnenaufgang im Berg zu erleben. Man muss die Landschaft einfach genießen! Ohne großes Risiko fuhr ich in die ersten Downhills und natürlich ging es auch bald wieder hoch. Bis ca. Kilometer 80 war meine Welt auch in Ordnung. Als dann aber meine Riegel und Gels aus der Trikotasche verbraucht waren, musste ich an die Verpflegungsstelle um meinen Nahrungsvorrat wieder aufzufüllen. Doch leider gab es weder Riegel noch Gels für die Trikottasche. Die Verpflegung war voll mit Lebkuchen, trockenen Kuchen, Käse, Wurst, Brot, sauren Gurken und Obst. Ich griff mir zwei Lebkuchen und versuchte sie beim fahren zu essen. Der wurde aber eher mehr im Mund und ich musste es förmlich runter würgen. Es war auch einfach nicht meins, im Sommer und bei doch recht ordentlicher körperlicher Belastung Lebkuchen zu essen. Schlagartig ist mir bewusst gewesen, dass ich ein Problem habe. Bei vorherigen auffüllen der Flaschen ist mir schon das sehr dünn angemischte ISO aufgefallen. Dann ging das Gedankenspiel im Kopf los. Das Thema hat mich bestimmt 2 Stunden beschäftigt. Dazu kam dann auch noch ein Hungergefühl. Der schwierigste Anstieg bei KM 150 stand mir noch bevor. Zeitweise wusste ich nicht, wie ich das noch überstehen soll. Ich griff dann an jeder Verpflegung zu 3 Bechern Cola und versucht damit genug Energie zu mir zu nehmen. Zwischenzeitlich wurden A, B, und C Stecke zusammengeführt was mir dann half. Die Radfahrer kennen das Phänomen. Es muss nur jemanden schlechter gehen als einem selbst. Ich fuhr in den steilen Anstieg von Hallstatt zum Salzbergwerk. Und das Wichtigste …. ich fuhr! Die anderen nicht. Die schoben den Berg hoch. Zeitweise musste ich zwar auch vom Rad, da es sich einfach staute. Aber das störte mich auch nicht wirklich. An dieser Stelle ist mir auch klar geworden, dass das Rennen hier ein Volksfest ist. Es waren Leute auf der 120 Km Runde unterwegs, die man bei „uns“ sicher nicht mal auf eine 30 Km Kurzstrecke sehen würde. Das macht auch den Charme der Veranstaltung aus. Auch wenn die Verpflegung für mich nicht optimal war, ist es ganz großes Tennis was der Veranstalter hier auf die Beine stellt. Die vielen Leute/Fans an der Strecke tragen auch einiges dazu bei. Man wird ständig mit Namen (steht auf der Startnummer) angesprochen und angefeuert. Oder an einer Stelle verteilten Kinder z.B. Eiswürfel zur Abkühlung. Dazu kommt noch das wirkliche Privileg, wenn man 210 Kilometer durch eine wunderschöne Landschaft fahren kann und diese auch genießen kann. In Bad Goisern steht ein Festzelt neben dem Start/Ziel Bereich, welches immer voll ist. Die Stimmung ist einfach super. Und in diese Stimmung bin ich nach 11 Stunden und 38 Minuten auch eingetaucht. Ziel um 38 Minuten verfehlt. Aber es störte mich nicht. Die Zeit auf dem Rad verging übrigens wie im Flug.
Nach einer Dusche im Ferienhaus waren die ganzen Strapazen eigentlich schon wieder vergessen. Sicher hat auch das top Wetter dazu beigetragen. Bei Regen und 15 Grad weniger ist die A Strecke der Trophy sicher eine ganz andere Hausnummer. Wir fuhren dann mit dem Auto Richtung Start/Ziel, um Jens abzuholen. Es war schon cool zu sehen, wie jeder einzelne Finisher gefeiert wurde. Moutainbikes wurden mit Sekt geduscht und es gab das ein oder andere Bier in verdreckten Radklamotten. Der Veranstalter bewirbt die A Strecke mit „einmal Hölle und zurück“. So Hölle war es gar nicht. Wer es kann, sollte es auf jeden Fall mal machen! Tja, vielleicht versuche ich es auch noch mal mein Ziel zu erreichen.

Ergebnis in der Altersklasse: 18

Ergebnis in der Gesamtwertung: 36

Gallerie zum Rennbericht:

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