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Völlig außer Form

von Wolf Dieter Brandt

Die Wettervorhersage und Daniel hatten mich kurzfristig überzeugt mit nach Willingen zu fahren. Nach fast vier Wochen ohne Training und der überraschenden Feststellung, dass die neuen Trikot irgendwie enger ausfallen, fuhr ich also quasi doppelt formlos zu diesem Rennen. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen :-)

Bester Parkplatz, mehr als 90 Minuten Zeit zur Vorbereitung und dann hatte ich es doch vermasselt, für die Ersatzflaschen auf Runde zwei einen guten Platz an der Strecke zu finden. Katja aus Block D war etwas überrascht, als ich ihr den Flaschenträger in die Hand drückte und ihr eröffnete, dass sie eh erst in 30 Minuten starten dürfte. Scheinbar wussten das die Anderen dort im Block auch nicht.
Meine Nachmeldung ergab Block C, auch mit Startzeit erst um 8:00. Da ich aber eine Wildcard für A erbettelt hatte, durfte ich dann als letzter noch hinten in den Block reinschlüpfen. Start, Stehen, langsames Fahren und auf wundersame Weise kamen die mehreren Hundert Fahrer ohne Sturz und ohne Gehassel in den ersten Anstieg. Dort hätte ich schon gerne etwas öfter überholt, aber es war einfach zu voll. Das zog sich dann bis in den ersten langen Trail hin, wo wir alle eher im Grundlagentempo auf die erste Abfahrt zurollten. Kurz vor mir war Lars Meier unterwegs, der stand am Start noch weiter vorne im Block A und etwas hatte ich also doch schon aufgeholt.
Nun aber mein großer Einsatz in der Abfahrt: Aus Langeweile erfand einfach eine neue Spur, dort waren allerdings die dicken Steine unter dem Laub verborgen, also Notbremse, rechts raus und nur schnell weiter.
Doch nicht, irgendwie wollte die Schaltung nicht mehr. Es dauerte Minuten, bis ich rausbekam, dass das Schaltwerk einfach überstreckt war (etwa wie bei der Wartung). Nachdem es wieder die Normalposition eingenommen hatte, funktionierte die Schaltung auch wieder. Lieber noch einmal alles testen und dann endlich weiter. Der Preis dieser unnötigen Aktion war ein kollosaler Stau rund um mich. Eigentlich hätte man auch gehen können, so langsam bremste sich der Tross auf der überfüllten Strecke dort hinunter.
Der Plan war eigentlich ja die Mittelstrecke und ich dachte so bei mir, ob ich da nun 5 Minuten verloren hatte oder nicht, ist am Ende fast egal. Die Beine bleiben halt länger frisch. Also Riegel essen und fleissig trinken und auf den nun breiter werdenen Schotterwegen einfache hoch wie runter von Gruppe zu Gruppe nach vorne hüpfen. Aber irgendwie verriet auch der gelegentliche Blick auf den Wattmesser, dass ich mit mehr Kilos und weniger Watt und ohne Gruppe wahrscheinlich nicht so zügig wie zuletzt in 2014 sein würde. Nach vielleicht 90 Rennminuten dann endlich so etwas wie eine Gruppe von vier Leuten, die alle abwechselnd Führungsarbeit leisten konnten und wollten. Die Stimmung hellte auf, die Sonne schien warm auf den Pelz, es könnte doch noch ein schöner Tag werden...
Nach 90 Rennsekunden in diesem Status der leichten Ekstase dann die totale Ernüchterung. Ein hochfrequentes Zischgeräusch in Synchronisation mit der Drehfrequenz des Vorderrades verriet mir, das Luft und Dichtmilch ihren Weg aus dem Reifen fanden. Mitten auf der Lauffläche ein kleines Loch, Notbremse, das Loch zudrücken und beten, das die Milch das Problem nun endlich lösen möge. Tat sie auch, wenigstens auf die Technik ist Verlass , wenn der Fahrer schon so versagt. Mit der CO2 Kartusche (das letzte Mal vor drei Jahren im Training gebraucht) ließ sich sogar der Druck wieder recht gut dosiert herstellen.

Nur war die Luft beim Fahrer raus. Ein paar Anstiege und Teerpassagen, dann kam der letzte Trail, auf dem ich einfach nur deshalb überholte, weil alle vor mir einfach freundlich abstiegen. Mein Tempo war es definitiv nicht. Nach fast drei Stunden Krampf und Kampf rund um Willingen bog ich wirklich genervt ins Ziel ein.
Fazit:
Dem Veranstalter sind nach ca. 25km die Richtungshinweise und mir die Lust ausgegangen. Man konnte sich an fast jeder (überraschenden) Abzweigung verfahren. Aber das alkoholfreie Bier war gekühlt im Ziel in Mengen vorhanden. Kurz war ich dem Gedanken erlegen, die üppigen 65 Euro Startgeld im Ziel in Bier einfach wegzutrinken. Hat aber nicht geklappt, wie so vieles an diesem Tag!

Ergebnis in der Altersklasse: 14

Ergebnis in der Gesamtwertung: 75

Gallerie zum Rennbericht:

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